So schützen Sie Ihren Hund vor Giftködern | PARTNER HUND Magazin
Lebensrettende Maßnahmen

So schützen Sie Ihren Hund vor Giftködern

Nägel, Rasierklingen, Gift – die Methoden, mit denen Hundehasser unseren Vierbeinern ans Leben wollen, werden immer grausamer. Und es häufen sich die Meldungen in ganz Deutschland, dass wieder tödlich präparierte Köder gefunden oder sogar gefressen wurden. In Ihrem Anti-Giftköder-Training zeigt Hundetrainerin Sonja Meiburg, wie man die Gefahr reduziert
 
Wie man den Hund vor Giftködern schützen kann © Pixabay: Hans
Das Anti-Gift-Köder-Training lohnt sich in jedem Fall!
Wenn Vera Hallhuber (Namevon der Redaktion geändert) heute ihre Labradorhündin anschaut, ist sie dankbar, dass Luna noch am Leben ist. Denn Luna hat Giftköder gefressen – kleine Wurststückchen, die ausgestreut auf dem Spazierweg lagen. Zum Glück war die Hündin an der Leine und Frauchen Vera konnte ihr das meiste der Beute aus dem Maul nehmen. Der sofort aufgesuchte Tierarzt gab der Hündin eine Spritze, damit sie sich erbricht. „Glücklicherweise hatte Luna nicht viel erwischt“, erzähltVera Hallhuber. „Später habe ich von zwei anderen Hunden gehört, die auch diese Würstchen gefressen hatten und wochenlang schwer krank waren.“ Vera Hallhuber ist immer noch sehr emotional, wenn sie von diesem Vorfall erzählt, denn die Gefahr, dass ihr Hund durch präpariertes Fressen ermordet wird, ist für sie noch nicht vorbei. 

Ganz hilflos will sich Vera Hallhuber dieser Bedrohung aber nicht ausliefern. Sie hat mit Luna ein „Anti-Giftköder-Training“ gemacht. Sonja Meiburg von der Hundeschule Holledau bietet diesen zehnstündigen Kurs an und hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Das funktioniert, indem man dem Hund eine Alternative bietet und ihn so dazu bringt, sich vom Futter auf dem Boden weg und zum Menschen hin zu richten. Das ist nicht einfach und kann richtig in Arbeit ausarten. Der Vorteil ist aber immens. „Die Königsklasse ist natürlich, wenn der Hund dann, durch ein vorher geübtes Verhalten, das Futter anzeigt. Aber auch wenn er nur zögert, haben Sie kostbare Zeit gewonnen, um zu verhindern, dass er das Futter am Boden frisst.“ Und das kann im Ernstfall das Leben Ihres Hundes retten .


So funktioniert es

Zunächst müssen Sie ein paar Vorbereitungen treffen. Testen Sie, welche Leckerlis Ihr Hund am liebsten mag, und machen Sie eine Top-10-Liste. Außerdem sollte Ihr Hund entweder den Clicker als positiven Marker kennen, oder Sie konditionieren ihn auf ein kurzes Markerwort wie „Klick“, „Zack“ oder Ähnliches. Außerdem müssen Sie ein Freigabesignal wie z.B. „Nimm’s“ mit ihm trainieren.


Vor dem Futter stoppen  

Ihr Hund, ausgestattet mit Geschirr und Leine, wird angebunden oder von einer zweiten Person festgehalten und schaut Ihnen zu, wie Sie in einigem Abstand ein für ihn mäßig spannendes Futter auf einem Teller am Boden anrichten. Das Top-Futter und den Clicker haben Sie griffbereit. Dann gehen Sie mit Ihrem angeleinten Hund auf den Teller zu, bleiben aber im sicheren Abstand davor stehen. Seinen Blick zum Teller hin belohnen Sie mit einem Klick oder dem Markerwort. Dann zeigen Sie ihm das Leckerchen in Ihrer Hand und bringen ihn so dazu, sich vom Teller weg zu Ihnen hin zu drehen. Er bekommt das Top-Leckerli und darf nach Ihrem Freigabesignal auch das Futter auf dem Teller fressen. Natürlich wird er später dieses Futter nicht immer bekommen dürfen. Damit er aber im Laufe des Trainings nicht frustriert wird und versucht, die Leckerlis heimlich hinunterzuschlingen, darf er sie in der Anfangsphase der Übungen und immer mal wieder zwischendurch haben. Er soll lernen, dass er sich, bevor er das Futter auf dem Boden erreicht, zu Ihnen umdreht und dort eine tolle Belohnung bekommt. Wenn das sitzt, variieren Sie, indem Sie immer einen Faktor wie Ort oder Zeit des Trainings, Art der beiden Leckerlis, mit Teller oder ohne, verändern. Wenn Sie sicher sind, dass er sich umdreht und sich nicht auf das Futter am Boden stürzt, verringern Sie den Abstand, bis Sie schließlich neben dem Teller stehen. Später können Sie dann beim Spaziergang unauffällig ein Leckerchen verlieren, an dem Sie dann auf dem Rückweg das Stoppen und Umdrehen üben können. In der hohen Schule funktioniert das dann auch ohne Leine.


Signal „nix da!“  

Setzen Sie sich vor Ihren Hund auf den Boden. Die eine Hand, gefüllt mit unattraktiverem Futter, strecken Sie ihm geschlossen auf dem Boden entgegen. Die andere Hand mit den Top-Leckerlis ist hinter Ihrem Rücken verborgen. In dieser Hand halten Sie zwischen Daumen und Zeigefinger auch den Clicker. Wenn der Hund sich zur ausgestreckten Hand wendet, sagen Sie freundlich „Nix da!“. Egal, was Ihr Hund jetzt auch anstellt, an das Futter in Ihrer ausgestreckten Hand kommt er nicht heran. Sollte er kurz innehalten, dann clickern Sie und locken ihn mit der Top-Leckerli-Hand von der anderen Hand weg. Er darf das Top-Leckerli fressen, und wenn er beim letzten Bissen ist, bekommt er die Freigabe, auch das Futter in Ihrer anderen Hand zu fressen. Im nächsten Schritt bekommt er erst den Klick, wenn er sich von der Hand am Boden weg zu Ihnen oder der Top-Leckerli-Hand wendet. Wenn er das zuverlässig macht, können Sie auch mal versuchen, das Futter am Boden offen hinzulegen. Dann müssen Sie aber schnell sein und das Futter mit der Hand abdecken, falls er sich doch darauf stürzen will. In diesem Fall sollten Sie mit Ihrem Training wieder einen Schritt zurückgehen. Klappt das mit dem offenen Futter, dann wieder die verschiedenen Faktoren wie Ort, Zeit oder Leckerli variieren. Jetzt kann auch das Futter am Boden mal für den Hund interessanter sein als das Futter in der Hand. So lernt er, sich auch vom Futter abzuwenden, wenn es richtig gut ist. Um das Signal „Nix da!“ im Gehen zu üben, bauen Sie die Übung ähnlich wie beim Futter-Stopp-Training auf. Legen Sie dazu das unattraktivere Futter auf einen Teller und führen Sie Ihren Hund am Brustgeschirr mit ausreichendem Abstand in gerader Linie daran vorbei. In dem Moment, wo er das Leckerchen wahrnimmt, geben Sie Ihr „Nix da!“-Signal, und Ihr Hund sollte sich dann zu Ihnen umdrehen. Wenn er das tut, clickern Sie und er bekommt natürlich den Jackpot, das Top-Futter aus Ihrer Hand. Nach dem Freigabe-Signal darf er auch das Futter vom Teller fressen. Das müssen Sie jetzt eine ganze Weile trainieren, variieren und verfeinern, bis Sie sich trauen können, die Übung ohne Leine zu probieren. Das Futter auf dem Teller ist zunächst so abgedeckt, dass er es zwar riechen kann, aber nicht herankommt. Am Ende des Trainings haben Sie im Idealfall einen Hund, der sich auf Ihr Signal hin von allem Fressbaren, das vor ihm am Boden liegt, wegdreht. Das heißt aber auch: Wenn Sie das Futter am Boden, also im schlimmsten Fall den Giftköder, nicht rechtzeitig vor ihm sehen und Ihr „Nix da!“ nicht kommt, besteht immer noch die Gefahr, dass er vom Boden frisst. Noch sicherer ist da die nächste Variante.


Futter anzeigen

Das Anzeigeverhalten sollte ein Signal sein, das der Hund schon kennt und das er total gerne ausführt. Wenn er es im Schlaf kann, verfeinern Sie das Futter-Stopp-Training, bis der Hund in etwa 30 Zentimeter Entfernung entspannt vor dem tollsten Futter stehen kann, ohne es anzurühren, sondern zu Ihnen schaut. Im nächsten Schritt warten Sie in dieser Situation mit dem Clickern und geben stattdessen das Anzeigesignal. Das müssen Sie jetzt gut üben, und wenn Sie sicher sind, dass der Hund es beherrscht, lassen Sie das Signal weg und warten ab, ob Ihr Hund das Anzeigeverhalten trotzdem zeigt. Wenn ja, dann bekommt er den Jackpot. Wenn nicht, dann war er wohl noch nicht soweit, und Sie müssen erst mal weiter mit Signal arbeiten. Ganz wichtig: Der Hund ist zunächst noch angeleint, sodass er niemals ohne Freigabe die Möglichkeit hat, an dasFutter zu gelangen. Ihre Geduld und Ausdauer wird gekrönt, wenn Ihr Hund später kein Futter, egal wie verführerisches auch sein mag, vom Boden frisst , sondern Sie mit seinem Anzeigeverhalten darauf aufmerksam macht.

Text: Heike Reinhardt 


Verhalten im Notfall

Sollten Sie vermuten, dass Ihr Hund einen Giftköder gefressen hat, dann verlieren Sie keine Zeit, sondern bringen Sie ihn auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt . Wenn möglich nehmen Sie Reste des vermeintlich giftigen Futters mit. Dann kann ausgeschlossen werden, dass spitze Gegenstände wie Glassplitter oder Nägel enthalten sind, bevor der Hund zum Erbrechen gebracht wird. Und gegebenenfalls kann der Köder im Labor genauer untersucht werden, um festzustellen, um welche giftige Substanz es sich handelt. Ganz wichtig: Machen Sie eine Anzeige bei der Polizei! Und informieren Sie andere Hundehalter, indem Sie an der betreffenden Stelle einen Warnzettel aushängen. In den sozialen Netzwerken im Internet gibt es viele regionale Gruppen, die sich zum Thema Giftköder austauschen. Auch hier macht ein Hinweis Sinn. Handy-Apps wie „Giftköder-Radar“ warnen vor aktuellen Bedrohungen und sind auf gesicherte Angaben angewiesen.


 
Artikel aus Partner Hund Ausgabe 04/2016. Jetzt abonnieren!
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